Samstag, 4. Juli 2026
Jeremy Milgrom, Jahrgang 1953, Reformrabbiner und Friedensaktivist, lebt zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Er ist Mitbegründer der Rabbis for Human Rights (1988) und Mitglied bei Clergy for Peace (»Geistliche für den Frieden«), die sich gegen Menschenrechtsverletzungen in Israel und den besetzten Gebieten stark macht.
Jeremy Milgrom wollte schon im März zu uns nach Augsburg kommen, jedoch kam da der israelisch-amerikanische Angriffskrieg gegen den Iran dazwischen und wir verlagerten die Veranstaltung mit ihm ins Internet.
Jetzt wird er aber nach Augsburg kommen und persönlich berichten. Die Veranstaltung findet im Kleinen Moritzsaal statt, der Eingang ist ca. 20m rechts vom Eingang zur Kirche. Veranstalter ist pax christi Augsburg, mit Unterstützung durch die AFI, die DFG-VK Augsburg, die VVN-BdA Augsburg und das Transferzentrum Frieden Augsburg.
Es geht ihm darum, Rechte von Minderheiten in Israel sowie von Palästinensern in den besetzten Gebieten zu schützen und eklatante Verletzungen der Grundrechte zu verhindern. Ihn trägt die Überzeugung, dass Gerechtigkeit für alle fest in der jüdischen Tradition und in der rabbinischen Lehre verwurzelt ist. Durch ihr Dasein und ihre Aktionen, wie die Unterstützung palästinensischer Bauern bei der Olivenernte, versuchen die Rabies for Human rights auch Druck auf politische Entscheidungsträger auszuüben, um die Wahrung der Menschenrechte zu gewährleisten, was aber bei der jetzigen Regierung fast nicht mehr möglich ist.
Milgrom, ein Rabbiner, ein Lehrer des Judentums, hat den Traum von einem Land, in dem Menschen mit unterschiedlicher Herkunft friedlich zusammenleben können. Die Palästinenser haben das gleiche ererbte Recht auf ihre Heimat wie die Israeliten, es muss möglich sein, dass Israeliten und Palästinenser in einem binationalen Staat gleichberechtigt zusammenleben. Milgrom zeigt Wege, wie dies gewaltlos und mit zivilem Ungehorsam gegen Unrecht und Waffengewalt gelingen kann.
Seine Erfahrungen mit Christen und Muslimen mitten in Jerusalem sind anders als die offizielle Meinung im israelischen Staat.
Für Milgrom ist nicht die Bibel selbst das Problem, sondern ihre Verbindung mit einem Kontext aus Angst und Nationalismus. „1800 Jahre lang hatten die Juden keine Armeen oder Instrumente organisierter Gewalt. Die praktische Tradition war eine Tradition der Gewaltlosigkeit. Mit dem Nationalismus werfen wir in einem Konfliktkontext unsere Geschichte der Gewaltlosigkeit über Bord und suchen in den Texten nach theologischen Rechtfertigungen für Gewalt.“
Die Tradition des Judentums erinnert daran, dass Frieden kein Geschenk ist, das uns fertig serviert wird, sondern etwas, das wir suchen und aufbauen müssen. Anerkennung der Existenz von Palästinensern muss ein Schritt, wenn auch ein fragiler, in Richtung einer Zukunft sein, in der Israelis und Palästinenser Seite an Seite leben können, jeder in Würde, jeder in Sicherheit, jeder in Frieden.